– ENTSTEHEN - VERÄNDERN - AUSLÖSCHEN - VERWANDELN

Das Wesen alles Lebendigen

Performance im Schaumburger Bienenhaus

 

Die Kunst zog den Besuchern des Bienenhauses die Schuhe aus - auch im wahrsten Sinne des Wortes - man be“tritt“ das Kunstwerk des Künstlers AKIRA (Patrick Eicke) aus Pohle und wird damit zum Be“stand“teil. Sich der Schuhe zu entledigen bedeutet auf eine gewisse Art schutzlos zu sein. Man kann nicht mehr „entfliehen“, öffnet sich auf eine ungewohnte Weise für die Wahrnehmung des Raumes und der Kunst. Der Boden war komplett ausgelegt mit schwerem graubraunem Papier, bemalt mit kräftigen weißen Pinselschwüngen. Die organische Form des Grundrisses vom Bienenhaus wurde zum Bilderrahmen des Bodenbildes.

Verstört fragte man sich, ob man jetzt auf dem Werk des Künstlers „rumtrampelt“? Ob man besser die Zwischenräume, die die Linienführung lässt, nutzen sollte? Suche ich jetzt die Füße der Besucher statt ihrer Gesichter? Finden meine Blicke den Zusammenhang der Linien? Gibt es überhaupt ein Gesamtbild? Unsicherheiten steigen auf. Die fließenden Linien sind nicht auf Anhieb zu decodieren. Auf dem Linienfeld stehen Menschenfüße mit Beinen und erschweren es, den Zusammenhang zu finden. Allmählich addieren sich die Linien zu Gesichtern. Aha! Erleichterung. Der Wahrnehmungsprozess öffnet die Sinne.

Er sensibilisiert für die Bildbetrachtung der Drucke von Mikko Haiko aus Helsinki, Photograph, Maler und Videokünstler. Die etwa 3 Meter hohen schlanken Bildformate gehen, wie das „Bodenbild“ von AKIRA, ebenfalls in Kommunikation mit der Architektur des Bienenhauses. Zwei dreiflügelige Bildkompositionen auf federleichtem Japanpapier nehmen Bezug auf die Gesichter von AKIRA.

Die Komposition in Blauabstufungen erweitert die Fensterfront. Die drei Bildelemente werden zu bodenhohen Fensterflügeln, die den Blick in eine traumverlorene Landschaft freigeben. Auch für die Gesichter auf dem Boden? Die gegenüberliegende Kompositionbewegt sich frei im Raum und nimmt die organischen Formen des Grundofens auf. Sind die drei Drucke mit braunen Naturelementen die Gedanken der gemalten Gesichter, oder steigen Bildideen auf den Boden herab?

Dieses ungewöhnliche „Raumerlebnis Bienenhaus“ stimmt ein auf die Autorenlesung. Die Autorin, Lisa Kreißler aus Pohle, sitzt mit dem Rücken direkt an den Kästen mit den hunderttausenden Bienen. Hinter dem Fensterglas über ihrem Kopf starten und landen die Bienen, nehmen Ihre Botschaft der Erzählung „Liebeskummer“ mit in die Welt. Die Situationzog das Publikum in den Bann. Magische Stille und fruchtbare Ruhe waren der Entfaltungsraum für Lisa Keßlers Erzählung über eine Frau mit ihrem Neugeborenen und einem schönen fremden Mann in einem unbekannten Haus. Dieser Ausschnitt des neuen Buches mit Erzählungen - an dem sie gerade noch schreibt - war nicht allein durch die Dramaturgie der Handlung überraschend. Ihre Sprache saugt so stark in diese Welt, dass sich das lauschende Publikum auf einer sinnlichen Bilderflut wiegen konnte. Tosender Applausleitete über zum Artist-Talk mit den Malern.

Das Trio des Stadthäger Jazz-Saxophonisten Philip Dornbusch aus New York komplettierte danach akustisch die Begegnung mit der Welt der Kunst. Ihre Bühne war der Platz unter dem Vordach des Bienenhauses. Großartige Klänge vermischten sich mit der strahlenden Sonne und dem prallen Naturerlebnis des Ortes zu einer besonderen Hoch-Stimmung bei den Besuchern.

Die Bienen mit ihrem Haus waren die Initiatoren, Gestalter und Gastgeber für diese Performance. Sie sind es, die mit ihrer Botschaft an die Menschen, die sie hören wollen und können, zur Entwicklung von Aufmerksamkeit für das Lebendige mahnen. Dankbar schauen wir auf dieses unvergleichbare Erlebnis zurück.

 

Der Verein Schaumburger Bienenhaus dankt der Volksbank Hameln-Stadthagen und ihrer Stiftung WIR für ihre Spende, die Kulturveranstaltungen dieser Qualität erst ermöglichen.

 

 

 

 

 

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